Ausprägungen

Modell eines FußknochensDas gewählte Operationsverfahren hängt von dem individuellen Ausprägungsgrad der Hallux valgus Deformität ab. Entscheidend sind hier drei Winkel. Erstens: Der Winkel der zehenwärts gerichteten Gelenkfläche des 1. Mittelfußköpfchens. Zweitens: Der HV-Winkel, der sich aus der Achse des Grundglieds des Großzehs und der des 1. Mittelfußknochens ergibt. Drittens: Der sogenannte IM-Winkel zwischen den Achsen des 1. und 2. Mittelfußknochens. Die Winkel werden anhand von Röntgenaufnahmen gemessen, die unter Belastung des Körpergewichts angefertigt werden. Je nach gemessenen Winkeln unterscheidet man dabei zwischen schwacher, mittelschwerer und schwerer Ausprägung.

Schwache Ausprägung

Bei der schwachen Ausprägung des Hallux valgus ist der Winkel zwischen 1. und 2. Mittelfußknochen etwas größer als normal (IM < 15°, HV 21–30°). Die Großzehe biegt sich dabei am Gelenk leicht nach außen, in Richtung der danebenliegenden 2. Zehe. Die Fehlstellung lässt sich aber in der Regel wieder in die korrekte Position zurück biegen. Die Großzehe bleibt gut beweglich, das Gelenk zeigt auf dem Röntgenbild keine Anzeichen eines Verschleißes. Der Mittelfuß ist nur leicht verbreitert. Die Folge: Druckbeschwerden am Ballen, Reizungen, Schwellungen und Schmerzen am Großzehenballen.

Häufig ist es so, dass eine schlichte Entfernung des Knochenvorsprungs nicht mehr ausreicht, um die Beschwerden zu lindern. In diesen Fällen ist eine Osteotomie des Mittelfußknochens nötig. Der Knochen wird dabei fein durchtrennt, die Zehenstellung korrigiert und anschließend entsprechend mit einer Lochplatte oder mit Drähten fixiert. Klingt schlimmer als es ist. Die Heilung nach der Operation dauert etwa vier bis sechs Wochen. Eine Entfernung der Metalle muss nicht notwendigerweise erfolgen – damit kann man sich eine zweite Operation ersparen.

Mittelschwere Ausprägung

Mit einem zunehmend größer werdenden Winkel (IM 16-20°, HV 31-40°) zwischen 1. und 2. Mittelfußknochen werden die Bewegungen im Großzehengrundgelenk spürbar schmerzhafter. Der Ballen schmerzt häufig selbst im Ruhezustand. Die Großzehe schiebt sich verstärkt über oder unter die 2. Zehe. Die Großzehe biegt sich deutlich nach außen, die Fehlstellung lässt sich nicht mehr oder nur unvollständig korrigieren. Die Großzehe ist eingeschränkt beweglich, das Röntgenbild zeigt erste Verschleißanzeichen. Der Mittelfuß ist deutlich verbreitert. In der Folge kommte es zu verstärkten und häufig auftretenden, deutlich sichtbaren Druckstellen am Ballen, Reizungen, Schwellungen und Schmerzen sowie Bewegungseinschränkungen am Großzehenballen.

Eine häufig verwendete Operationsmethode zur Korrektur der verstärkten Fußfehlstellung besteht in der z-förmigen Durchtrennung des 1. Mittelfußknochens und anschließender Verschraubung an entsprechender Stelle. Die Schrauben müssen nicht entfernt werden. Der Heilungsprozess nach dieser OP beansprucht etwa sechs Wochen, in denen ebenfalls unterstützend ein spezieller Schuh verschrieben wird, in dem der Fuß belastet werden darf.

Schwere Ausprägung

Ist der Winkel zwischen 1. und 2. Mittelfußknochen deutlich vergrößert (IM >20°, HV >40°), so spricht man von einer schweren Form des Hallux valgus. Der Großzehenballen steht offensichtlich weit hervor, die Großzehe schiebt sich unverkennbar über oder unter die 2. Zehe, bzw. drückt diese stark nach außen. Auch die Zehen zwei bis fünf zeigen deutliche Achsabweichungen. Der Ballen befindet sich in einem nahezu permanenten Entzündungszustand. Er schmerzt selbst im Ruhezustand. Die Fehlstellung lässt sich nicht mehr in die richtige Position korrigieren. Die Großzehe ist fast unbeweglich. Auf dem Röntgenbild sind deutliche Verschleißzeichen zu erkennen. Der Mittelfuß ist massiv verbreitert.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Methoden der Operation der Basis des 1. Mittelfußknochens. Bei der schließenden Methode wird ein kleiner Knochenkeil entfernt, die entstandene Lücke geschlossen und somit die Fehlstellung korrigiert. Sie können sich das in etwa so vorstellen, als entfernten Sie bei einem schiefen Turm einen Bauklotz und brächten ihn so wieder in eine gerade Position. Bei der öffnenden Methode hingegen wird der Knochen durchtrennt und entsprechend in seiner Achse korrigiert. Bei beiden Methoden wird der Knochen jeweils mithilfe einer besonders stabilen Titanplatte fixiert. Wenn nötig, wird diese Platte nach knapp einem halben Jahr entfernt. In der Regel dauert die Heilung sechs bis acht Wochen, eine Belastung im speziell verschriebenen Schuh ist meist sofort möglich.

Bei der Versteifung zwischen dem 1. Mittelfußknochen und dem 1. Fußwurzelknochen werden beide Knochen an der Stelle des Gelenks mithilfe von Schrauben oder einer Titanplatte miteinander verbunden und fixiert. In der Regel werden diese Teile nach einem Jahr entfernt. Die Heilung nach diesem Eingriff dauert etwa acht bis zwölf Wochen. Kurz nach der Operation sollte der Fuß geschont und nur eingeschränkt belastet werden. Unterstützt wird dieser Prozess durch einen schnell zu wechselnden Kunststoffstiefel oder einen Kunststoffgipsverband, der den Fuß ruhig stellt.

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